Kein Berliner Bezirk hat mehr Einwohner als Pankow, und kaum einer wird so unterschätzt. Zwischen Prenzlauer Berg im Süden und den Dörfern an der Stadtgrenze liegt ein Bezirk, der gleichzeitig Gründerzeitkiez, Schlossresidenz, Plattenbausiedlung und Feldmark ist. Dieses Porträt konzentriert sich auf den alten Kern – Pankow selbst, Niederschönhausen und den Mühlenkiez – und auf das, was man dort tatsächlich unternehmen kann.
Sehenswürdigkeiten: Schloss, Bürgerpark, Majakowskiring
Das Schloss Schönhausen in Niederschönhausen ist die stillste Königinnenresidenz Deutschlands: Hier lebte Elisabeth Christine, die von Friedrich dem Großen ferngehaltene Gemahlin, später war das Haus Amtssitz des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck und Gästehaus für Staatsbesuche von Castro bis Gorbatschow. Der Schlosspark ist frei zugänglich und an Wochentagen fast privat. Ein paar Minuten weiter erzählt der Majakowskiring ein ganzes DDR-Kapitel: In der Villenkolonie wohnte in den Fünfzigern die halbe Staatsführung – „das Städtchen“ genannt, abgeschirmt und heute ein friedlicher Spazierweg mit Gedenktafeln.
Der Bürgerpark an der Panke ist das grüne Wohnzimmer des Bezirks, mit Rosengarten, altem Torhaus und Kaffeehaus am Eingang. Von dort führt der Pankeweg als Rad- und Fußweg einmal quer durch den Bezirk – die schönste Art, Pankow ohne Plan kennenzulernen.
Kieze: vom Florakiez bis zum Mühlenkiez
Der Florakiez rund um die Florastraße ist das junge Pankow: Cafés, Buchladen, Wochenmarkt – wer den Prenzlauer Berg von vor fünfzehn Jahren sucht, findet ihn hier. Rund um die Breite Straße zeigt sich das bürgerliche Zentrum mit Rathaus und Einkaufsstraßen. Und im Mühlenkiez, zwischen Greifswalder Straße und Volkspark Prenzlauer Berg, steht ein Stück gebauter DDR-Alltag: Großsiedlung, weite Höfe – und eine erstaunlich dichte Nachbarschaftskultur. Wie lebendig die war, dokumentiert unser Veranstaltungsarchiv: In der alten Kaufhalle an der Hanns-Eisler-Straße liefen jahrelang Konzerte, Erzählabende, Workshops und der Tanztee am dritten Sonntag – Kiezkultur im Wortsinn.
Kultur und Alltag: was Pankow kann
Pankows Kultur findet selten auf großen Bühnen statt, dafür überall sonst: in der Wabe und im Theater unterm Dach am Ernst-Thälmann-Park, in Galerien in alten Gewerbehöfen, auf den Plätzen beim Kiezfest. Dazu kommt die Nähe zum Wasser und Grün – Weißer See mit Strandbad, Schlosspark, Volkspark. Es ist ein Bezirk für Menschen, die Berlin wollen, aber nicht jeden Abend beweisen müssen, dass sie da sind. Genau diese Mischung macht Pankow für Familien so beliebt – und sorgt seit Jahren für die vollsten Spielplätze der Stadt.
Ganz im Norden, wo der Bezirk in Feldern ausläuft, liegt der Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow – eine Anlage, die als Schulgarten begann und heute Arboretum, Staudengarten und ein Stück offene Feldflur unter einem Namen versammelt. Der Eintritt kostet nichts, der Weg dorthin dauert länger als jeder Innenstadtausflug, und genau das ist der Punkt: Es ist der Teil Pankows, in dem Berlin hörbar aufhört.
Essen und Einkehr
Kulinarisch ist Pankow ein Bezirk der Nachmittage: Die Kaffeehauskultur rund um die Florastraße hält mit jedem Innenstadtkiez mit, nur ohne Warteliste. Der Wochenmarkt auf dem Anger versorgt samstags den alten Ortskern, im Bürgerpark gehört das Kaffeehaus am Torhaus zum Spaziergang dazu, und wer es herzhaft mag, findet an der Breiten Straße die Imbisskultur des Nordostens in ihrer ehrlichsten Form. Abends wird es ruhiger als in den Szenekiezen – dafür bekommt man ohne Reservierung einen Tisch, und die Wirte haben Zeit für ein Gespräch. Für viele ist genau das der Grund, den Feierabend hier zu verbringen statt drei Stationen weiter südlich.
Pankow praktisch
Noch ein Wort zur Jahreszeit: Pankow ist ein Frühlings- und Herbstbezirk. Im Mai blüht der Bürgerpark, im Oktober leuchten die Alleen von Niederschönhausen – und beide Male ist der Schlosspark so leer, dass man das Laub hört. Der Sommer gehört dem Weißen See, der Winter dem Kaffeehaus.
Anreise: S-Bahn S2/S8/S85 bis Pankow, dazu U2-Endbahnhof und Tramlinien in alle Richtungen. Ein guter Halbtag: Schlosspark Schönhausen, Spaziergang über den Majakowskiring, Kaffee im Florakiez, abends weiter nach Prenzlauer Berg – die Grenze verläuft ohnehin fließend. Und wer im Dezember kommt: Der Weihnachtsmarkt im Bürgerpark gehört zu den familiärsten der Stadt – mehr davon in der Übersicht der besten Weihnachtsmärkte in Berlin.