Verwaltungstechnisch hat Berlin zwölf Bezirke; gefühlt sind es deutlich mehr, denn kaum jemand sagt „ich wohne in Pankow“, wenn er Prenzlauer Berg meint, und kein Mensch aus Kreuzberg würde sich „Friedrichshain-Kreuzberg“ nennen. Dieser Blog nimmt deshalb die gefühlte Karte ernst: dreizehn Ecken der Stadt, jede mit eigener Geschichte, eigenem Tempo und eigener Antwort auf die Frage, was ein guter Samstag ist.
Die Porträts entstehen nacheinander und zu Fuß – begonnen im Nordosten, wo dieser Blog seine Wurzeln hat: Pankow mit Schloss, Bürgerpark und Mühlenkiez, Prenzlauer Berg zwischen Mauerpark und Kastanienallee und Mitte, wo die Stadt repräsentiert und trotzdem wohnt. Inzwischen sind der Süden und der alte Westen nachgezogen: Kreuzberg mit seinen zwei Temperamenten, Neukölln zwischen Kanalmarkt und böhmischem Dorf, Friedrichshain mit Mauerkunst und RAW – und Charlottenburg, die Eleganz des alten Westens. Jedes Porträt bündelt Sehenswürdigkeiten, Kieze, Alltagsorte und die praktischen Fragen – Anreise, beste Tageszeit, was man mit Kindern anfängt.
Die übrigen Ecken sind nicht vergessen, nur noch nicht fertig abgelaufen. Bis ihre Porträts erscheinen, führt die Karte zu dem, was es schon gibt: Artikel aus den jeweiligen Kiezen, vom Markt-Guide mit dem Maybachufer in Neukölln bis zum Potsdamer Platz in Mitte. Und wer wissen will, wie die Bezirke zu ihren Grenzen kamen, findet die Antwort in der Geschichte von Berlin – Stichwort Groß-Berlin 1920, als aus acht Städten und 59 Landgemeinden über Nacht eine Metropole wurde.
Was ein gutes Bezirksporträt leisten muss, ist dabei immer dasselbe: die zwei oder drei Orte nennen, ohne die der Bezirk nicht zu verstehen ist; die Kieze voneinander unterscheiden, statt sie in einen Topf zu werfen; und die praktischen Fragen beantworten, die Reiseführer gern auslassen – wann es leer ist, wo man gut sitzt, was man mit Kindern anfängt und wie man ohne Auto wieder wegkommt. An diesem Maßstab lassen sich auch die kommenden Porträts messen.
Und weil die Frage oft kommt: Eine Rangliste der Bezirke wird es hier nicht geben. Berlin funktioniert nicht als Wettbewerb, sondern als Nebeneinander – der Reiz von Charlottenburg erklärt sich erst neben Neukölln, die Ruhe von Treptow-Köpenick erst neben dem Tempo von Friedrichshain. Wer die Stadt bewerten will, braucht keine Sterne, sondern Schuhwerk. Dass die Reihe im Nordosten begann, ist übrigens keine Wertung, sondern Biografie: Man schreibt am ehrlichsten über die Wege, die man täglich geht – und arbeitet sich von dort in die Ecken vor, die man erst noch lernen muss. Auf dem Laufzettel stehen als Nächstes Schöneberg, Wedding und Tempelhof – Vorschläge, welche Ecke danach dran sein soll, nimmt die Kontaktseite entgegen.
Für Besucher mit wenig Zeit lassen sich die sieben Porträts zu Routen bündeln: Der Osten in zwei Tagen heißt Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain – Museumsinsel, Wasserturm, East Side Gallery, dazwischen zwei Volksparks. Der Süden an einem Tag verbindet Kreuzberg und Neukölln über den Landwehrkanal, mit Markt, Admiralbrücke und Alt-Rixdorf als Etappen. Und der Westen ist ein eigener Tag für Charlottenburg – Schloss am Vormittag, Savignyplatz am Abend. Pankow schließlich funktioniert am besten als halber Tag mit Rückweg über Prenzlauer Berg. Wer alle sieben abläuft, hat die Stadt nicht gesehen – aber verstanden, wie sie zusammengesetzt ist.
Ein praktischer Hinweis zum Lesen der Karte: Die Redaktion sitzt in Neukölln, die Wurzeln des Blogs liegen im Pankower Mühlenkiez – zwischen diesen beiden Polen spannt sich die Route der meisten Artikel. Wer die Stadt zum ersten Mal sortiert, beginnt am besten mit einem Bezirk pro Tag: vormittags die Pflichtorte, nachmittags ohne Plan in die Seitenstraßen, abends dort bleiben, wo es nach Küche riecht. Mehr Methode braucht Berlin nicht. Und wenn ein Tag ausfällt, ist nichts verloren: Die Bezirke laufen nicht weg, und die Porträts hier warten geduldig – inklusive der Anreise-Hinweise, mit denen sich jeder Plan auch spontan umbauen lässt.