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Kiezprojekte · dokumentierter Termin

ÖKO-AG und Kiezprojekte der KulturMarktHalle

OrtKulturMarktHalle, Hanns-Eisler-Straße 93, 10409 Berlin
ArtKiezprojekte
Dokumentiert20. März 2023

Die Projektseite der KulturMarktHalle führte zusammen, was zwischen 2021 und 2023 im Mühlenkiez tatsächlich lief: die Öko-AG, den Gemeinschaftsgarten mit dem Wurmkomposter „Celia“, den Lastenfahrradverleih und die Malzirkel- und Handarbeitsgruppen. Jedes dieser Projekte hatte im Blog der Halle einen eigenen Eintrag; diese Seite war die Übersicht darüber.

Volker, der Mühlenkiez und eine AG seit 1974

Volker gehörte zu den Erstmietern im Mühlenkiez. Seit 1974 versuchte er, den Kiez über Pflanzprojekte grüner und nachhaltiger zu machen. Daraus wurde die Öko-AG, die mehrere Grünflächen im Kiez und rund um die Halle betreute – ein Stück Pankow, das nicht von der Stadt gepflegt wurde, sondern von Leuten, die dort wohnten. Die Treffen lagen immer auf dem ersten Montag eines Monats, in der KulturMarktHalle selbst, und standen jedem offen, der dazustoßen wollte.

Blühinseln statt durchgemähter Rasen

2018 beschloss der Senat die Berliner (Bienen)Strategie für biologische Vielfalt. Die Öko-AG setzte sich dafür ein, sie bei der Grünflächengestaltung im Mühlenkiez so weit wie möglich umzusetzen. Gemeinsam mit den Eignern der Flächen entstanden Blüh- und Totholzinseln mitten im häufig maschinell gemähten Rasen: Lebensraum für bedrohte Insekten, für Vögel und für Kleingetier, genau dort, wo sonst nur kurzer Schnitt steht.

Sensenkurse und ein Lernpfad aus Postern

Gemäht wurden diese Inseln von Hand. In Sensenkursen bildete die AG Leute aus, die Spaß daran hatten – zweimal im Jahr statt im Wochentakt, ohne Abgasgestank und ohne ruhestörenden Lärm, schonend für Insekten und Bewuchs. Das Schnittgut nahm ein Tierpark als Futter oder Streu ab, und die seltenere Mahd kam dem lokalen Klima zugute.

Daneben betrieb die AG einen Natur- und Kultur-Lernpfad: temporäre Poster, angebracht an Ort und Stelle, die über Botanik, Historie, Kultur und Verwendung der gerade blühenden oder fruchtenden Pflanzen informierten. Wer vorbeikam, las die Pflanze, vor der er gerade stand.

Sieben Arbeitsblätter zum Herunterladen

Die AG stellte ihr Gartenwissen als kostenlose Arbeitsblätter bereit – sieben Stück, jedes zu einer Frage, die im Garten tatsächlich aufkam.

Zwei davon drehten sich um den Schnitt. Das Blatt zur Baum- und Strauchpflege nahm sich vor, worauf dabei zu achten war; das zu den Weinreben behandelte Beschnitt und Düngung. Ein drittes erklärte, wie eine Sense einzustellen ist: Wer von Hand effektiv und kräfteschonend mähen will, braucht ein ergonomisch gestaltetes Gerät, sorgfältig auf die eigenen Körpermaße angepasst – sonst arbeitet der Rücken statt der Schwung.

Beim Wasser ging es ums Sparen. Wasserknappheit werde auch in unseren Breitengraden zunehmend zum Problem, hieß es zur Begründung, und das Blatt zeigte wassersparendes Bewässern samt dem Regenwasser-Management, das dazugehört. Das Blatt zur Kompostierung setzte eine Ebene tiefer an, bei der Definition: Kompostierung ist der Teil des Nährstoffkreislaufs, in dem organisches Material unter Einfluss von Luftsauerstoff von Bodenlebewesen abgebaut wird.

Zwei Blätter behandelten Pflanzen, die sich anders verhalten, als man erwartet. Für ein dauerhaftes Tulpenbeet muss man wissen, dass die meisten „normalen“ Tulpen kurzlebige Züchtungen sind: Die Zwiebeln erschöpfen sich, verrotten im Boden oder graben sich durch den jährlichen Austrieb so tief ein, dass die gespeicherte Energie die Distanz zur Oberfläche nicht mehr überwindet. Das Blatt stellte drei grundsätzliche Wege zu einem Beet vor, das bleibt. Und der Essigbaum, schön anzusehen, kam mit zwei Haken: Sein Milchsaft kann gesundheitliche Beschwerden auslösen, und über verschleppte Wurzelstücke breitet er sich schneller aus, als irgendwer das wollte – weshalb es beim Essigbaum-Loswerden weniger ums Fällen geht als um die Wurzeln.

Wurmkomposter „Celia“, Lastenrad, Malzirkel

Im Gemeinschaftsgarten arbeitete ein Wurmkomposter, den das Haus „Celia“ nannte. Küchen- und Gartenreste liefen dort durch denselben Nährstoffkreislauf, den das Arbeitsblatt zur Kompostierung beschrieb – nur im Kleinen, im Behälter, mit Würmern als Bodenlebewesen. Der Lastenfahrradverleih lief ebenfalls unter dem Dach der Halle: ein Lastenrad leihen, statt eines kaufen zu müssen. Die Malzirkel- und Handarbeitsgruppen gehörten zur selben Übersicht.

Wer die Arbeit mittrug

Als ständige Fördermitglieder unterstützten seit 2000 drei Betriebe aus der Nachbarschaft die Projekte mit geldwerten Sachleistungen: der Alnatura Super Natur Markt in der Greifswalder Straße 89, die Butterstulle Catering und Service GmbH in der Eberswalder Straße 6–9 und das China-Restaurant Phönix im Mühlenberg Center, Greifswalder Straße 90. Wer heute durch die Märkte und Höfe der Stadt läuft, findet dieselbe Konstruktion an vielen Orten: ein Projekt, das von der Nachbarschaft getragen wird, die es benutzt.

Aufbewahrt im Archiv: ein Pankower Kulturtermin jener Jahre. Aktuell buchbar ist davon nichts mehr.

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