Ich gebe zu, dass ich den Berliner November lange nicht mochte. Grau, nass, um halb fünf ist es dunkel, und die Stadt wirkt, als hätte sie keine Lust mehr. Irgendwann habe ich angefangen, genau diese Dunkelheit zu nutzen. Seitdem gehe ich im Winter abends spazieren, und Berlin zeigt sich von einer Seite, die man im Sommer nie sieht.
Hier sind meine liebsten Routen und Lichterorte zwischen November und Februar. Die meisten kosten nichts, einige brauchen ein Ticket, und alle funktionieren auch, wenn es nieselt. Wer zusätzlich Ideen für die Adventszeit sucht, findet sie in meiner Liste der besten Weihnachtsmärkte in Berlin.
Unter den Linden bis zum Gendarmenmarkt
Der Klassiker beginnt am Brandenburger Tor und führt über Unter den Linden nach Osten. Im Advent hängen in den Linden Lichterketten, die Botschaften und Hotels schmücken ihre Fassaden, und am Bebelplatz steht oft eine Installation. Ich biege dann rechts zum Gendarmenmarkt ab, wo zwischen Deutschem und Französischem Dom der Weihnachtsmarkt aufgebaut wird. Die Strecke ist kaum zwei Kilometer lang, man braucht aber eine Stunde, weil man ständig stehen bleibt.
Mein Tipp: unter der Woche gegen 18 Uhr starten. Dann sind die Büros leer, die Touristengruppen beim Abendessen, und auf dem Mittelstreifen hat man Platz.
Christmas Garden im Botanischen Garten
Wer bereit ist, Eintritt zu zahlen, bekommt im Botanischen Garten in Dahlem den wohl aufwendigsten Lichterweg der Stadt. Der Christmas Garden Berlin führt rund zwei Kilometer durch den Park, mit beleuchteten Bäumen, Lichtertunneln und Projektionen auf die Gewächshäuser. Familien mit Kindern lieben das, und auch ich gehe alle paar Jahre wieder hin, um zu sehen, was sich verändert hat.
Es lohnt sich, die Tickets früh zu buchen und ein Zeitfenster zu wählen, das nicht direkt auf den Sonnenuntergang fällt. Die ersten Slots sind am vollsten, eine Stunde später ist der Weg deutlich entspannter.
Spree, Museumsinsel und die Oberbaumbrücke
Mein persönlicher Lieblingsweg führt an der Spree entlang. Ich starte an der Museumsinsel, wo die Kolonnaden der Alten Nationalgalerie beleuchtet sind, laufe am Monbijoupark vorbei und folge dem Fluss Richtung Osten. Wer durchhält, kommt nach einer guten Stunde an der Oberbaumbrücke an. Die roten Backsteintürme sind abends angestrahlt, die U1 rattert oben drüber, und unten spiegelt sich alles im Wasser. Für mich ist das eines der schönsten Bilder, die Berlin im Winter zu bieten hat.
- Länge: etwa fünf Kilometer, gut zu Fuß in anderthalb Stunden.
- Unterwegs gibt es genug Cafés zum Aufwärmen, besonders rund um den Hackeschen Markt.
- Zurück geht es bequem mit der U1 ab Warschauer Straße oder Schlesisches Tor.
Kiezrunden: Rixdorf, Kollwitzplatz und Charlottenburg
Die großen Achsen sind schön, aber mein Herz hängt an den kleinen Runden durch die Kieze. In Rixdorf, dem alten Dorfkern mitten in Neukölln, gibt es an einem Adventswochenende einen der stimmungsvollsten kleinen Weihnachtsmärkte der Stadt, mit Ständen von Vereinen und Kirchengemeinden statt großer Ketten. Die niedrigen Häuser und das Kopfsteinpflaster lassen vergessen, dass die Sonnenallee nur ein paar Minuten entfernt ist.
Am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg schmücken viele Cafés und Läden ihre Fenster, und die Altbaustraßen rundherum sind abends so ruhig, dass man fast flüstern möchte. In Charlottenburg führt mein Weg vom Savignyplatz durch die Seitenstraßen bis zum Schloss, dessen Weihnachtsmarkt vor der beleuchteten Fassade steht. Wer zwischendurch nach Kultur sucht, findet in meinen Bezirksporträts, etwa zu Charlottenburg, noch mehr Anlaufpunkte für einen langen Abend.
Für diese Runden brauche ich keine feste Strecke. Ich steige an einem U-Bahnhof aus, laufe los und folge dem Licht. Das klingt romantischer, als es ist, aber es funktioniert erstaunlich gut, weil die schönsten Ecken selten auf einem Plan stehen.
Lichterfahrten: Die Stadt vom Bus aus
Nicht jeder hat Lust, bei Minusgraden fünf Kilometer zu laufen. Für diese Abende gibt es Lichterfahrten. Mehrere Stadtrundfahrt-Anbieter fahren im Advent abends eine Route durch die beleuchtete Innenstadt, oft mit Halt an einem Weihnachtsmarkt. Wer es günstiger mag, setzt sich einfach in den Bus 100 oder 300 und fährt vom Zoo bis zum Alexanderplatz. Oben in der ersten Reihe des Doppeldeckers sieht man fast dasselbe, nur ohne Kommentar.
Im Herbst gibt es außerdem das Festival of Lights, bei dem bekannte Gebäude wie der Berliner Dom und das Brandenburger Tor mit Projektionen bespielt werden. Das ist zwar früher im Jahr als die klassische Lichterzeit, aber für mich der Auftakt der dunklen Saison.
Was ich immer dabeihabe
Nach vielen Wintern hat sich bei mir eine kleine Ausrüstung eingespielt. Eine Thermoskanne mit Tee spart den dritten Glühwein, gute Schuhe sind wichtiger als eine dicke Jacke, und eine Powerbank verhindert, dass das Handy beim Fotografieren in der Kälte schlappmacht. Außerdem nehme ich immer ein paar Münzen mit, weil die Toiletten an Weihnachtsmärkten fast nie Karte nehmen. Und ich gehe nie ohne Mütze los, auch wenn der Wetterbericht mild klingt, denn an der Spree zieht es abends mehr, als man denkt.
Fazit: Den Winter nicht verstecken, sondern nutzen
Berlin ist im Winter keine Stadt, die man aussitzen muss. Mit ein paar Routen im Kopf, warmen Schuhen und etwas Zeit nach Feierabend wird die Dunkelheit zum Vorteil. Probieren Sie es an einem trockenen Abend unter der Woche aus, am besten an der Spree. Ich bin sicher, dass Sie danach öfter losgehen, auch wenn der Wetterbericht dagegen spricht.