Silvester in Berlin hat einen Ruf, und der ist nicht ganz unverdient. Die Stadt knallt schon Tage vorher, die Party am Brandenburger Tor wird im Fernsehen übertragen, und in manchen Straßen sieht es am Neujahrsmorgen aus wie nach einem Gefecht. Ich habe in den letzten Jahren fast alle Varianten ausprobiert, von der Fanmeile bis zum Sofa, und kann sagen: Es gibt gute Silvester in Berlin, man muss sie nur bewusst wählen.
Hier sind meine Erfahrungen, ein paar praktische Regeln und Orte, an denen der Jahreswechsel entspannter abläuft als am Tor.
Die große Party am Tor: Für wen sie sich lohnt
Die Silvesterparty zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist eine der größten in Europa. Bühnen, Livemusik, Feuerwerk um Mitternacht, dazu Hunderttausende Menschen. Wer das einmal erleben will, sollte früh da sein, weil die Zugänge geschlossen werden, wenn das Gelände voll ist. Taschen werden kontrolliert, eigenes Feuerwerk ist auf dem Gelände nicht erlaubt, und Glasflaschen bleiben draußen.
Ich war zweimal dort und fand es beide Male beeindruckend und anstrengend zugleich. Für Leute, die Menschenmengen mögen, ist es das richtige Ziel. Für alle anderen gibt es bessere Optionen.
Aussichtspunkte mit Blick auf die ganze Stadt
Mein Favorit ist ein erhöhter Punkt mit Blick über die Dächer. Der Teufelsberg im Grunewald ist bei vielen beliebt, ebenso der Kreuzberg im Viktoriapark, von dem aus man über den Kiez bis zum Fernsehturm schaut. Wer meine Geheimtipps für Berlin kennt, weiß, dass ich auch kleinere Hügel und Parkhausdächer mag. Um Mitternacht sieht man von dort, wie die ganze Stadt gleichzeitig in die Luft geht. Das ist ein Bild, das mir mehr bleibt als jede Bühnenshow.
- Früh da sein, weil die bekannten Hügel ab 23 Uhr voll sind.
- Taschenlampe mitnehmen: Die Wege durch die Parks sind nachts unbeleuchtet.
- Abstand zu Gruppen halten, die selbst zünden, auf Hügeln fliegt manches quer.
Feuerwerk: Was erlaubt ist und wo nicht
Privates Feuerwerk ist in Deutschland am 31. Dezember und am 1. Januar erlaubt, allerdings nicht überall. Berlin richtet seit einigen Jahren Verbotszonen ein, etwa am Alexanderplatz und in einzelnen Straßen, in denen es in der Vergangenheit zu Angriffen auf Einsatzkräfte kam. Wo genau sie gelten, wird jedes Jahr neu festgelegt und kurz vorher bekannt gegeben. Ein Blick auf die Hinweise der Berliner Feuerwehr lohnt sich, die dort auch erklärt, wie man Verletzungen durch Böller vermeidet.
Wer selbst zündet, sollte nur geprüfte Ware mit CE-Kennzeichen kaufen, Raketen nie aus der Hand starten und Blindgänger liegen lassen. Haustiere bleiben in dieser Nacht besser drinnen, mit geschlossenen Fenstern und leiser Musik. Und wer Rücksicht auf Nachbarn mit kleinen Kindern nimmt, macht sich auch beliebter.
Feinstaub, Lärm und das ruhige Silvester
Ein Thema, das jedes Jahr wiederkommt, ist die Luft. In der Silvesternacht steigen die Feinstaubwerte in Berlin für einige Stunden stark an, und wer Asthma hat, merkt das. Das Umweltbundesamt erklärt, wie Feinstaub entsteht und warum Feuerwerk dabei eine Rolle spielt. Ich habe deshalb ein Jahr ausprobiert, Silvester ganz ohne Böller zu feiern, mit Freunden und einem Fondue. Es war einer der schönsten Abende, ganz ohne Rauch.
Ruhiger geht es auch in vielen Clubs und Bars, die Silvester als normale lange Nacht feiern. Die Tickets sind teurer als sonst, dafür ist man drinnen, wenn draußen alles knallt.
Silvester mit Kindern
Seit Freunde von mir Kinder haben, hat sich mein Silvester verändert. Kleine Kinder schaffen es selten bis Mitternacht, und das Geknalle in der Nachbarschaft ist für viele eher beängstigend als festlich. Einige Familien in meinem Umfeld feiern deshalb einen „Kindersilvester“ am frühen Abend, mit Wunderkerzen, Tischfeuerwerk und einem Countdown um 19 Uhr. Danach gehen die Kleinen ins Bett, und die Erwachsenen feiern weiter.
Auch einige Familienzentren und Kiezläden bieten am Nachmittag des 31. Dezember Programme an, bei denen gebastelt, gesungen und Blei gegossen wird, inzwischen meist mit Wachs statt Blei. Wer Kinder hat, sollte außerdem am nächsten Morgen vor dem Spaziergang einen Blick auf den Boden werfen. Blindgänger und Scherben liegen in vielen Straßen noch bis zum Mittag herum, bevor die Stadtreinigung durch ist.
Und noch ein Tipp für Familien mit Hund: Viele Tierärzte raten, die Gassirunde am Silvesterabend schon am frühen Nachmittag zu erledigen. Ab der Dämmerung wird es in den meisten Kiezen unruhig, und ein erschrockener Hund an der Leine ist im Gedränge keine gute Idee.
Nach Mitternacht nach Hause
Die BVG fährt in der Silvesternacht mit verstärktem Takt, U- und S-Bahnen sind die ganze Nacht unterwegs. Trotzdem sind die Bahnhöfe rund um die Feiermeile kurz nach Mitternacht überfüllt. Mein Rat: eine Station weiter laufen oder bis eins warten. Taxis sind in dieser Nacht knapp, Vorbestellen hilft nur bedingt. Wer weiter draußen wohnt, plant am besten von Anfang an, bei Freunden in der Innenstadt zu übernachten, oder feiert gleich im eigenen Kiez. Das spart nicht nur Nerven, sondern auch den Fußweg durch Straßen voller Böllerreste.
Fazit: Das eigene Silvester finden
Berlin bietet zu Silvester alles von der Großparty bis zum ruhigen Abend auf dem Hügel. Wer weiß, was er will, kann die Nacht sehr genießen. Informieren Sie sich vorher über Verbotszonen, planen Sie den Heimweg und gönnen Sie sich einen Platz mit Ausblick. Dann wird der Jahreswechsel in Berlin zu einem Erlebnis, an das man gern zurückdenkt.